Familiäre Pflege – Unterstützung pflegender Angehöriger im Krankenhaus

Dieses Projekt überzeugte auch die Jury des österreichischen Innovationspreises für Projekte im Gesundheitswesens. Die beteiligten Krankenhäuser und der Tiroler Gesundheitsfonds wurden im Oktober als Preisträger des INTEGRI 2018 ausgezeichnet. Begründung der Jury: Durch die Verschränkung des öffentlichen und privaten Bereichs der Pflege erreicht dieses prämierte Projekt die Stärkung der Kompetenz der informellen Pflege und dadurch die Unterstützung im Akutgeschehen beim Patienten vor Ort. Die Verringerung des bekannten Drehtüreffektes führt zu Vorteilen für alle Beteiligten. Die Jury wünscht diesem Projekt die Verwirklichung des potentiell sehr hohen Multiplikatoreffekts!

Wenn Menschen im Krankenhaus mit einer plötzlichen Pflegebedürftigkeit konfrontiert werden, z.B. durch eine Erkrankung, einen Unfall oder altersbedingt, sind die Betroffenen und die Angehörigen vielfach überfordert.

Rund 80% der pflegebedürftigen Menschen werden in Österreich zu Hause versorgt. Diese „häusliche Pflege“ setzt ein gutes professionelles Versorgungsnetz mit ambulanter Hauskrankenpflege sowie Betreuungs- und Beratungsdiensten aber auch die sog. informelle Pflege, jene Betreuung und Pflege die durch Angehörige geleistet wird, voraus.

Im Krankenhaus erleben wir sehr häufig, dass pflegende Angehörige unabhängig davon ob sie eine professionelle Pflege zu Hause in Anspruch nehmen oder nicht, viele Fragen zu konkreten Pflegesituationen zu Hause haben und dazu praktische Anleitung und Handlungsempfehlungen benötigen würden.

Mit dem Projekt Familiäre Pflege, das vom Tiroler Gesundheitsfonds gefördert wird, wurde in drei Krankenhäusern ein wichtiges Angebot für pflegende Angehörige zur Erlernung praktischer Fähigkeiten für die Pflege und Betreuung zu Hause geschaffen.

Seit Mai 2018 werden in den projektbeteiligten Krankenhäusern, dem Landeskrankenhaus Innsbruck, dem Bezirkskrankenahaus Reutte und dem Krankenhaus St. Vinzenz in Zams regelmäßig Schulungen für pflegende Angehörige angeboten.

Für die Projektplanung und Konzeption wurden Recherchen zu Best practice Modellen und auch eine Befragung pflegender Angehöriger an den drei Krankenhäusern durchgeführt. Die Schulung wird durch eigens geschulte Diplomierte Gesundheits- und KrankenpflegerInnen durchgeführt.

Die Schulungsinhalte nehmen Bezug auf vorbeugende Maßnahmen z.B. das Verhindern von Stürzen und die Erhaltung von Alltagsaktivitäten. Grundlegende Informationen zur Raumgestaltung, hygienische Grundmaßnahmen und der Einsatz von Pflegehilfsmitteln sowie zum Umgang mit Inkontinenz werden vermittelt. Anleitungen zur Unterstützung bei der Körperpflege und in der Mobilisation werden demonstriert. Das Pflegekonzept der Kinästhetik fließt in die Schulungen ein. Angehörigen werden z.B. unterschiedliche Möglichkeiten aufgezeigt für eine einfache und kräfteschonende Unterstützung von Bewegungsabläufen oder wie sie eine pflegebedürftige Person im Bett unterschiedlich positionieren können.

Die Schulung besteht aus zwei Teilen mit jeweils 2,5 Stunden. Die TeilnehmerInnen erhalten auch ein vertiefendes Nachschlagwerk das für diese Schulung in Kooperation der drei Krankenhäuser entwickelt wurde.

Die Belastung pflegender Angehöriger ist ein Faktum. Das Unterstützungsangebot der Familiären Pflege trägt dazu bei pflegende Angehörige zu entlasten, Sicherheit zu vermitteln und auch über weitere Unterstützungs- oder auch Entlastungsangebote zu informieren.